Das Steakhaus

Die Geschichte

Eine staubige Landstraße in der kubanischen Zentralprovinz Santa Clara zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Soweit das Auge blicken kann, erstrecken sich riesige Zuckerrohrplantagen zwischen den Dorfgemeinden Mordazo und Santo Domingo. Die Hauptstadt Havanna ist zwar „nur“ 240 Kilometer weit weg, doch diese Entfernung bedeutet in einer Epoche ohne Autos und Eisenbahn eine halbe Ewigkeit.
Die karibische Trauminsel Kuba erfährt in jener Zeit einen dramatischen Umbruch. Bislang abgelegene Regionen rücken in den Blickpunkt. Der Reichtum der Natur lässt aus kleinen Farmen in kürzester Zeit dynamische Agrarbetriebe entstehen.
In der Boomphase seit 1890 wird Kuba – bekanntlich unter wirtschaftlicher Kontrolle der damaligen Regionalmacht USA – zu DEM karibischen Exportland für landwirtschaftliche Produkte.

Ausgerechnet „George Washington“ heißt das Dorf, in dessen Zentrum das Anwesen der Colina – Familie liegt.
Seit Generationen wird hier Ackerbau betrieben, doch mit der industriellen Verarbeitung des Zuckerrohrs wandeln sich die Verhältnisse mit rasanter Geschwindigkeit. Die rauchenden Schlote einer Zuckerfabrik künden bald von einer landwirtschaftlichen Revolution. Die Großfamilie Colina – neun Kinder sind damals durchaus nichts Ungewöhnliches – erkennt schnell, welche Möglichkeiten in diesem kubanischen „Wirtschaftswunder“ stecken und spezialisiert sich auf den Anbau von Zuckerrohr.

Bislang wurde die Rohrzucker – Maische, die bei der Zuckerproduktion anfällt, als billiges Tierfutter verwendet. Dass diese süßliche Pampe jedoch auch als Rohstoff für die Gewinnung von Rum verwendet werden kann, nutzt das Oberhaupt der Colina – Familie, genannt „Don Colina“, in der nahe gelegenen Alkoholfabrik zur Produktion von Alkohol.

 

Durchaus zu einem gewissen Wohlstand gekommen, erkennt er schon bald einen weiteren Trend in den aufstrebenden Bars von Havanna: Erfrischendes europäisches Bier, vor Ort gebraut nach Pilsener Brauart.
Talentierte Braumeister aus Böhmen oder dem damaligen Deutschen Reich werden nach Kuba geholt. Auch die stetige Versorgung mit Hopfen ist bald gewährleistet.

Große kubanische Marken wie das Hatuey – Bier, für das in den fünfziger Jahren die legendäre kubanische Sängerin Celia Cruz geworben hat, erfreuten sich großer Beliebtheit. Jedoch bleibt die eigene Bierproduktion der Colina – Familie ein Traum.
Ab Januar 1959 unterbindet die kommunistische Revolution die weiteren unternehmerischen Möglichkeiten des Colina – Clans.

Grund – und Fabrikbesitzer werden enteignet, Privateigentum wird verstaatlicht.
Nach der Flucht des ehemaligen Diktators Batista steht die Familie vor dramatischen Entscheidungen: Exil oder sich mit den neuen Verhältnissen arrangieren und ausharren. Die Koffer sind schon gepackt, die Kontakte nach Florida zu Freunden und Verwandten längst geknüpft, als „Don Colina“ in letzter Minute beschließt, in Kuba zu bleiben. Er rackert weiter so gut es eben geht; bis ihn ein schwerer Arbeitsunfall veranlasst, sich ganz aus der Produktion zurück zu ziehen.

Heute ist die Colina – Familie zwischen Kuba, Florida und Europa zerstreut, doch der alte Familiengeist lebt weiter.
Mit dem Steakhaus Colina knüpfen die Nachkommen der Familie an die alten Pioniertraditionen an – man sagt, hier gäbe es die besten Steaks der Stadt – und mit dem hauseigenen Bier „Colinita“ verwirklichen sie sich einen alten Traum, mit dem sie sich ein Stück Heimat nach Deutschland holen.